top of page

Mein Für.

Als ich mich vor einigen Jahren zum ersten Mal so richtig gefragt habe, was ich eigentlich mit meinem Leben anstellen möchte, war ich ganz schön aufgeschmissen.

Ich war in der Negev-Wüste Israels und saß mit Blick auf den Horizont vor den Toren eines Kibbuz. Die Stille der Wüste wurde von dem Geräusch eines Militärflugzeugs unterbrochen, das über mich flog.
Mir wurde die Ambivalenz, die Komik, aber auch die Dramatik der Situation bewusst.
Mit dem Arsch in einer künstlich bewässerten Oase, von Granatapfelbäumen und Dattelpalmen umgeben, trennten mich gerade mal ein paar Kilometer von Kriegsvorbereitungen in einem Land, das unter ständigen Beschuss lebte.
Auf dieser Reise hatte ich die Intention gehabt, mich nach innen zu wenden, nur mit mir zu sein. Doch auch hier, oder vielleicht besser gerade hier holte mich die Welt doch wieder ein.




In den Jahren zuvor hatte ich einige Male die Augen verschlossen vor Dingen, die in meinem Augenwinkel aufgetaucht waren. Andere Male hatte ich mich politischen Gruppen angeschlossen, die hinsehen und vor allem etwas bewegen wollten. Ich war auf der Suche nach Gegenbewegung zu dem, was mich verstörte und nach meinem Platz darin.


Doch wenn ich ehrlich war, hatten mich Aktionen in den meisten politischen Gruppen noch hilfloser fühlen lassen.


Die Gruppen, die ich kennengelernt hatte, waren oftmals von Wut getrieben. Wut und Hilflosigkeit gegen und in dem „System“.

Die Menschen, die ich auf Aktionen kennenlernte, beeindruckten mich sehr. Ich bewunderte sie in ihrer Entschlossenheit sich aufzulehnen, gegen das, was sie als ungerecht empfanden. Auf Aktionen standen wir Seite an Seite und ich spürte eine Kraft und Sinnhaftigkeit darin, gemeinsam gegen etwas zu stehen.

Doch gleichzeitig hatte diese Wut in dem Aufstand, so berechtigt er auch war, für mich etwas Erschöpfendes. Ich merkte, dass ich nicht wollte, dass die Wut und das gegen etwas sein das Einzige war, für das ich „aufstand“.


Ich glaubte und das glaube ich immer noch, dass eine nachhaltige (politische) Bewegung, ein Streben dann am stärksten ist, wenn die Vision neben dem "Gegen" vor allem ein "Für" ist.


Auf Basis dieser Wahrheit habe ich nach etwas gesucht, an das ich vollkommen glaube.

Etwas, dass sich in meinem ganzen Körper so wahr anfühlt, dass ich mich diesem "Für" mit ganzem Herzen in den Dienst stellen möchte.


In meiner Erfahrung entsteht Empathie, Mitgefühl, Verständnis für mich und für andere, wenn ich in Verbindung bin.

Was meine ich mit Verbindung?

Ich bin Teil dieser Welt.

Ich tauche auf in der Welt und die Welt taucht in mir auf.

Ich fühle mich angebunden.


Die meiste Zeit fühle ich mich nicht angebunden. Die meiste Zeit agiere ich in meinen Mustern, in Konkurrenz mit anderen, oder mir selbst. Auf der Suche nach —

und so weiter. Doch während der Suche nach, und manchmal auch völlig überraschend taucht dieses Gefühl von dem, was ich Anbindung und Verbindung nenne auf.




Ich glaube, dass wir Menschen, Lebewesen und diesen Planeten verletzen, wenn diese Anbindung und dieses tiefe Verständnis gestört ist.

Ich glaube, dass wenn wir uns verbunden fühlen, wenn wir wirklich auf kognitiver und emotionaler Ebene verstehen, dass wir alle miteinander verbunden sind, dass wir andere Entscheidungen treffen würden.

Wir würden andere Entscheidungen darüber treffen, wie wir miteinander in Kontakt gehen, was für eine Kultur wir schaffen, wie wir mit unserem Planeten umgehen.


Das ist es, dem ich mich in den Dienst stellen möchte. Das ist, warum ich tue, was ich tue. Ich möchte das Gefühl, mehr noch den Zustand von Anbindung und Verbindung in die Welt zu bringen. Ich möchte lernen, was es braucht, dass dieser Zustand und dieses Feld entstehen kann. Ich möchte lernen, es zu kultivieren. Ich möchte helfen, es für alle Menschen zugänglich zu machen.



40 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page