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3 Dinge, die ich durch meine Atempraxis gelernt habe


Im Rahmen der Ausbildung und in der Zeit danach wurde mir die Art, wie ich atme bewusster: Einmal als Symptom, davon wie es mir jetzt gerade geht, aber auch als Werkzeug, um meinen Zustand mithilfe meines Atemrhythmus zu beeinflussen.

In diesem Artikel soll es darum gehen, was sich in mir und dadurch in meinem Leben durch eine regelmäßige Atempraxis verändert hat. Doch bevor ich mit ein paar catchy Überschriften und den dazugehörigen Erläuterungen in eine Liebeserklärung an Atemarbeit einsteige, vielleicht erstmal ein Eindruck davon, wie meine Atempraxis ausschaut:


1. Morgens nehme ich mir Zeit, bewusst und verbunden zu atmen. Manchmal sind es 10 Atemzüge, manchmal 100. An manchen Tagen atme ich einfach so, an anderen vor beziehungsweise nach dem Sport oder Meditation.

2. Wenn ich während des Tages merke, dass ich gestresst bin (an der Supermarktkasse, an der Bushaltestelle, vor dem Einschlafen...) nehme ich mir einen Moment und atme ein paar mal bewusst und verbunden ein und aus.


Und nun ohne weitere Umschweife zu den drei Dingen, die mir durch eine diese Atempraxis bewusst geworden sind und die ich gerne mit Dir teilen möchte:



1. Meine Erfahrung wird „ganzer“, wenn meine Körpererfahrung Teil davon ist.


Seit ich bewusst und verbunden Atem hat sich mein Bewusstsein für meinen eigenen Körper verändert.

Die Auswirkung, die meine Atempraxis auf meinen Alltag hatte, war ein bisschen so, als hätte ich mein Leben lang unscharf gesehen und dann plötzlich eine Brille aufgesetzt.

Alle, die diese Brillenerfahrung schon einmal gemacht haben, kennen vielleicht das Erleben von Überraschung, die auftaucht, wenn die Kontraste schärfer werden und die Farben und Konturen klarer. Am Anfang ist das Sehen mit Brille noch ein bisschen anstrengend, weil alles so intensiv ist und man sich an die leichte Unschärfe bereits gewöhnt hatte. Aber mit der Zeit wird scharf sehen das neue normal und irgendwann ist die Brille (oder Kontaktlinsen) nicht mehr wegzudenken.

So ging es mir mit meinem durch den bewussten Atem wachsenden Körperbewusstsein. Als Erstes merkte ich nur während ich bewusst atmete, dass ich Gefühle wie Traurigkeit, Freude, Wut in meinem Körper differenzierter wahrnehmen konnte als vorher. Gefühle tauchten in Körperbereichen auf, und unterschieden sich immer mehr voneinander. Mit der Zeit merkte ich auch außerhalb der Atempraxis, dass sich meine Erfahrung in der Welt "erweiterte" um meinen Körper. Ich kann jetzt viel besser fühlen, wie es mir geht und was eine Begegnung, Situation, ein Gedanke in mir auslöst. Das wiederum macht es einfacher, darauf zu reagieren. Weil ich jetzt mehr wahrnehme, wie es mir geht und was meine Bedürfnisse sind, kann ich dies auch klarer kommunizieren.

Diese Brille möchte ich nie wieder abnehmen. :)






2. Erfahrungen und Gefühle wollen „verdaut“ werden.


Meine Erfahrung ist, dass selbst, wenn ich weiß, dass Dinge (wieder) in Ordnung sind, zum Beispiel, dass Missverständnisse geklärt und über Konflikte gesprochen wurde, mein Körper noch ein bisschen braucht, bis ich mich wirklich leichter fühle. Übrigens ist das auch mit den angenehmen Emotionen so, nur da fällt es uns weniger auf.

Durch die Atempraxis ist mir das noch mehr bewusst geworden. Wenn ich bewusst atme und mit meiner Aufmerksamkeit mehr in meinen Körper gehe, nehmen oft Erinnerungen und Emotionen nochmal viel inneren Raum ein und lösen sich dann wieder, über die ich gar nicht mehr nachgedacht habe.

Genauso, wie das Essen nicht wirklich verschwindet, wenn wir es heruntergeschluckt haben, ist es auch mit Erfahrungen so. Für mich passt dieses Bild vom „Verdauen“, so wunderbar, weil auch Erfahrungen uns nähren, wir Aspekte davon in uns aufnehmen, während wir andere Aspekte irgendwann ganz loslassen.

Seit ich eine Praxis mit bewusstem, verbundenem Atem habe, merke ich, dass mir Erfahrungen nicht mehr so lange „nachhängen“. Man könnte also sagen, der Atem wirkt diesbezüglich „verdauungsanregend“. :)



3. Ein bewusster Atemzug kann „alles“ verändern


Mit „alles“ meine ich vor allem meine innere Haltung, aber in der Folge verändert sich natürlich auch vieles mehr.

Diesen Satz habe ich oft gehört, bis ich ihn das erste Mal ungläubig und von mir aus, gedacht habe. Aber es stimmt, die Kunst besteht lediglich darin, in einer kniffligen Situation daran zu denken und den Mut zu finden, einen (oder mehrere) bewusste Atemzüge zu nehmen. :)

Meine Einladung ist: Versuch mal in einer Situation, die in Dir Stress auslöst, zum Beispiel, wenn Du eine Präsentation hältst, eine Prüfung bevorsteht oder Du irgendetwas tun möchtest, was Dir Angst macht, einen bewussten Atemzug zu nehmen. Bewusst heißt, Deinen Fokus auf das Ein- und anschließend vollständige Ausatmen zu legen. Um sich besser auf den Atem konzentrieren zu können, kann es hilfreich sein, diesen Atemzug etwas langsamer zu nehmen und die Augen dabei zu schließen. Ich wette, es hat sich etwas verändert, wenn Du die Augen wieder öffnest. ;)


Wie Du vielleicht merkst, war und ist die Arbeit mit dem eigenen Atem eine große Bereicherung für mein alltägliches Leben. In meiner Erfahrung kann bei dem Vorhaben einer regelmäßigen Praxis die Freude schnell dem Pflichtbewusstsein weichen. Deshalb war für mich persönlich wichtig, Atemarbeit als eine Art Werkzeug zu sehen, das ich ausprobiere und mit dem ich spiele und etwas, das ich mitnehme in mein Leben. Du kannst überall atmen: stehend, sitzend, liegend, draußen, drinnen, alleine, in Gesellschaft, laut oder leise.



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